Der Koch der Fußball-Nationalmannschaft, Holger Stromberg, erklärt in seinem Buch „Iss einfach gut“, wie leicht es sein kann, gesund zu essen. Im Interview mit spot on news verrät er zudem, ob es unter den Fußballern Vegetarier gibt und was Podolski und Schweinsteiger am liebsten essen.
Sternekoch Holger Stromberg sorgt nicht nur für die perfekte Ernährung der Fußball-Nationalmannschaft: In seinem Buch
(Systemed Verlag, 24,99 Euro, 240 Seiten) erklärt er, wie abwechslungsreiches und ausgewogenes Essen funktioniert – nicht nur anhand von Rezepten. Einkaufstipps, Ernährungskunde, Anekdoten aus seinem Leben und Zitate von Fußballern gibt es ebenfalls in dem Buch des 1972 geborenen Küchenchefs. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news verrät er, dass er sich ein Unterrichtsfach Ernährungslehre wünscht, ob es Vegetarier unter den Nationalspielern gibt und was Podolski und Schweinsteiger am liebsten essen.
Herr Stromberg, mit Ihrem Buch „Iss einfach gut“ wollen Sie beweisen, dass gut essen gar nicht so schwierig ist. Kann der Trend zu Fast Food und Fertigprodukten gestoppt werden?
Holger Stromberg: Solange dem Thema Ernährung in unserer Gesellschaft nicht der entsprechende Stellenwert eingeräumt wird und wir uns für alle Freizeit-Aktivitäten gerne Zeit nehmen, aber für die eigene Gesundheit „keine Zeit“ mehr übrig bleibt, wird es sicher schwierig. Es fehlt das Bewusstsein und die Aufmerksamkeit für die Brisanz und Wichtigkeit, sich gesund zu ernähren. Dabei wäre es so einfach. Ich würde niemals Fertigprodukte kaufen, deren Ingredienzen-Angabe sich wie ein Chemieaufsatz lesen und mit denen Verbraucher permanent hinter´s Licht geführt werden. Darum plädiere ich schon lange dafür, das Unterrichtsfach Ernährungslehre zu etablieren. Die Menschen müssen Ernährung verstehen, genauso wie das kleine Einmaleins.
Für viele Menschen ist Essen so unwichtig, dass es nur noch nebenbei stattfindet, andere sind den ganzen Tag mit Kalorienzählen beschäftigt – wie sieht die richtige Einstellung zum Essen aus?
Stromberg: Diäten und Kalorienzählen sind generell zum Scheitern verurteilt, da sie nur ein Zeitfenster ausdrücken, in dem man im besten Fall auch abnimmt. Aber wird man sein Leben lang Diät halten können und vor allem wollen? Meine Lösung ist „Wissen zu verbreiten“, sich selbst wieder spüren lernen und zu mündigen Essern werden. Denn erst wenn die Menschen die Auswirkung von Lebensmitteln selbstständig bewerten können, ist es möglich, auch sein Leben danach zu richten und gesund schlank zu sein. Das allerdings wird gerade in der heutigen Zeit durch totale Verwirrung auf weitere Jahrzehnte verhindert.
Wie wichtig ist Essen für die Seele?
Stromberg: Essentiell wichtig! Du bist, was du isst! Unsere Ernährung hat einen unmittelbaren Einfluss auf die Seele. Falsche Ernährung kann die Seele krank machen bzw. umgekehrt äußern sich auch ein paar seelische Erkrankungen über den Weg der Ernährung mittels Essstörungen. Viele – auch schwere Erkrankungen – sind auf falsche Essgewohnheiten zurückzuführen. Man weiß heute z.B. dass Fast Food depressiv machen kann. Verantwortlich hierfür sind die in dieser Art Essen enthaltenen Transfette, welche die körpereigene Ausschüttung von Glückshormonen blockieren. Umgekehrt bedeutet das aber auch: Nahrung kann wie Medizin wirken, indem sie Psyche und Organismus mit essenziellen Nährstoffen versorgt und vor Angriffen durch freie Radikale schützt. Diese Wirkung gesunder Kost ist mittlerweile unter Wissenschaftlern unbestritten. Und gesundes Essen kann noch weit mehr: die Stimmung aufhellen und uns glücklich machen.
Sie raten, Lebensmittel regional und saisonal einzukaufen. Millionen Kinder leben in Hartz-IV-Haushalten – ist es Ihrer Meinung nach möglich, eine Familie vom Hartz-IV-Regelsatz gesund zu ernähren?
Stromberg: Das ist eine etwas heikle Frage, die man nicht so pauschal beantworten kann. Natürlich ist es schwerer mit begrenzten Mitteln, jedoch meiner Erfahrung und auch Meinung nach mit einem ausgeklügelten Haushaltsplan, dem erforderlichen Interesse und Wissen, wo man was in welcher Qualität bekommt, einer entsprechenden haushälterischen Fähigkeit und dem unbedingten Willen in der Tat möglich, auch mit den Regelsätzen für sich und seine Familie gesund zu kochen. Finanzielle Armut und die damit verbundene soziale Situation beeinflussen das Ernährungsverhalten oftmals auch an dieser Stelle indirekt. Mit dem paradoxen Ergebnis, dass die Mütter oft entgegen ihrer Absicht, preisgünstig einzukaufen, zu teurem Fast Food, Getränken und Süßigkeiten greifen. Und manchmal fehlt aber schlicht auch das Interesse. Dabei ist eine zu Hause zubereitete Mahlzeit aus Kartoffeln und Gemüse, Vollkornbrot und Käse günstiger als ein Besuch in der Imbissbude oder im Schnellrestaurant. Aber man muss sich eben die Zeit nehmen für den Einkauf und die Zubereitung. Leider fehlt es heutzutage oft an dem Wissen, wie man sich auch mit einem kleinen Geldbeutel gesund ernähren kann. Ich denke, man darf zudem nicht außer Acht lassen, dass hier auch psychologische Faktoren eine Rolle spielen – Eltern, die Hartz-IV beziehen, wollten ihren Kindern etwas Gutes tun, um sie für armutsbedingte Belastungen zu entschädigen und ihnen den Außenseiterstatus in Schule und Kindergarten zu ersparen. Und so landen eher Marken-Schokoriegel und fettige Snacks im Schulranzen als Käsebrot und Apfel. Von selbst werden sich die Kids sicher nicht für die „gesunde“ Variante entscheiden. Das ist menschlich verständlich, jedoch ein Teufelskreis! Eine gesunde Lebensweise ist deshalb nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch der Haltung und des Willens.
Immer mehr Menschen ernähren sich vegan. Ist diese Ernährungsweise aus Ihrer Sicht ratsam?
Stromberg: Wenn sich Menschen aus Achtung vor Tieren, der Natur und Mutter Erde oder anderen Gründen vegetarisch oder vegan ernähren, dann ist dem prinzipiell mit höchstem Respekt zu begegnen. Ich glaube jedoch nicht, dass diese Lebensweise grundsätzlich gesünder ist. Auf der Hand liegt aber, dass Vegetarier und vor allem Veganer deutlich bewusster auswählen, was sie zu sich nehmen und Lebensmittel nicht einfach unbedacht und achtlos in sich hineinessen. Damit sind sie manch anderen in Sachen Figur, Körperbewusstsein und Wohlbefinden durchaus einen Schritt voraus.
Sie sind Koch der deutschen Fußball-Nationalmannschaft: Gibt es im Team Spieler, die sich vegetarisch ernähren oder brauchen Spitzensportler Fleisch auf dem Speiseplan?
Stromberg: Nein, Vegetarier haben wir nicht im Team. Es gibt jedoch den ein oder anderen Spieler, der nur einen recht geringen Fleischkonsum hat und lieber zu ebenso eiweißreichen Fleisch-Alternativen greift wie Hülsenfrüchten, Tofu, Käse, usw.
Die WM 2014 findet in Brasilien statt. Wird es dort schwieriger für Sie, sich die geeigneten Lebensmittel zu besorgen?
Stromberg: Ein so großes Turnier wie die WM beinhaltet zunächst einmal eine ganze Menge akribischer Planung und Logistik. Eine hohe Europalette mit sechs großen Aluminiumkisten reist mit. Von der kleinen Induktionsplatte über Messer, Töpfe und Siebe sowie viele Gewürze und spezielle Zutaten ist darin vieles, was ich zum Kochen brauche. Natürlich kein Fleisch oder Fisch, Gemüse oder Obst. Aber Kleinigkeiten, mit denen ich Grundprodukten ein ganz anderes Gesicht geben kann. Sobald dann das gesamte Küchenequipment und das Büffet mit unserem Dekorateur aufgebaut ist, checke ich die Lebensmittel im Hotel und suche mir, um den Spielern eine abwechslungsreiche Küche zu bieten, vor Ort einen Bäcker, Fleischer und einen Gemüsemarkt und kaufe dort ein. Generell achte ich definitiv darauf, auch Produkte des Gastgeber-Landes am Büffet zu präsentieren. Es beflügelt ein Küchenteam vor Ort ungemein, wenn es sieht, dass die Spieler ihre Gerichte essen und ebenso schätzen.
Wie viel Einfluss haben die Nationalspieler selbst auf den Speiseplan, dürfen Sie sich Gerichte wünschen und wer ist der größte Feinschmecker im Team?
Stromberg: Ich kann natürlich nicht für 23 Spieler individuell kochen, deshalb stelle ich immer ein Büffet zusammen, das möglichst vielseitig ist und sowohl die unterschiedlichen ernährungsphysiologischen Optionen berücksichtigt, wie auch die kulinarischen Vorlieben. So mag Per Mertesacker zum Beispiel alles, was mit Tomaten zu tun hat, Bastian Schweinsteiger isst für sein Leben gerne Spaghetti Bolognese und Milchreis und Lukas Podolski freut sich über Blumenkohl auf die polnische Art. Mit Butter und gehacktem Ei und in der Pfanne noch ein bisschen geröstet. Aber prinzipiell ist bei der Zusammenstellung auf alle Fälle das ausgewogene Verhältnis zwischen Kohlenhydraten, Eiweiß und gesunden Fetten wichtig. Gemüse steht immer mehr im Vordergrund. Die meisten essen aber tatsächlich sehr gerne gemischten Salat. Ernährung allein wird kein Spiel gewinnen, aber sie macht jeden Spieler leistungsfähiger und die Spieler sind sich bewusst, wie wichtig Ernährung für sie ist. Insofern ist der Wissenshunger unter den Spielern auch groß. Und bislang ist es mir eigentlich immer gelungen, alle unsere Spieler kulinarisch glücklich zu machen, denn auch hier ist es wie bei allen anderen Menschen: Wenn mit Liebe, Begeisterung und Leidenschaft gekocht wird, schmeckt es jedem.
Viele Menschen trösten sich mit Essen – müssen Sie die Spieler nach Niederlagen auch mal kulinarisch aufbauen?
Stromberg: Nach einer Niederlage schmeckt keinem das Essen besonders gut. Wir sind ein Team – da hilft eher ein gegenseitiges Klopfen auf die Schulter, mit der Niederlage umzugehen und das sich gegenseitige Stützen, Sprechen, Austauschen oder auch einmal miteinander Schweigen.
Sie sollen den Spielern auch schon mal in einer Fast-Food-Kette Burger besorgt haben… Wie oft waren Sie schon bei McDonald´s und Co. zu Gast?
Stromberg: Es gibt ja keine ungesunden Speisen, nur ungesunde Zutaten. Insofern sind auch ein Hamburger oder eine Currywurst nicht zwangsläufig schlecht, es kommt darauf an, was drin ist. Wir servieren auch bei der Nationalmannschaft zwischendurch einmal Hamburger, aber natürlich alles mit besten Zutaten und frisch zubereitet. Denn im Grunde ist das eine ideale Mahlzeit: Eiweiß (Fleisch), Vitamine und Mineralstoffe (Salat) und Kohlenhydrate (Burgerbrötchen). Aber ein- bis zweimal im Jahr bin auch ich selbstverständlich Gast beim großen M.
„Kochen macht sexy“ schreiben Sie in Ihrem Buch. Wie groß ist Ihre weibliche Fangemeinde?
Stromberg: Zum Glück mittlerweile doch recht groß. Noch vor ein paar Jahren hatten Köche an sich keinen sehr hohen Stellenwert bei den Frauen. Dies hat sich zum Glück unter anderem wegen der „jungen Wilden“ und einem neuen Bewusstsein und gewachsenen Stellenwert für Ernährung geändert und ich freue mich über jeden einzelnen weiblichen Fan!!
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